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Autor Thema: Neue deutsche Veteranen
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ID # 36


  Erstellt am 21. Februar 2013 12:06 (#1)  |  Bearbeiten Bearbeiten  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP    Löschen
Neue deutsche Veteranen

Die Bundeswehr ist zur Einsatzarmee geworden. Doch die Deutschen zollen ihren Rückkehrern aus dem Kosovo oder Afghanistan oft wenig Anerkennung. Der Verteidigungsminister meint, da könne der Begriff des Veteranen helfen. Ausgerechnet die Grünen beschäftigen sich als Erste mit der Idee.

em Grünen-Außenpolitiker Tom Koenigs ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière altgediente Bundeswehrsoldaten künftig als ?Veteranen? klassifizieren will. ?Das ganze Schwüle? dieses Begriffs, seufzt Koenigs, habe er schon in den Erzählungen seiner Großeltern so furchtbar gefunden - damals, als die Wehrmachtsveteranen ihre Weltkriegserlebnisse im Erinnerungsregal zwischen Schuld und Stolz einordneten.

Ob man nicht etwas Neues erfinden könne, fragt Koenigs in die Runde von Fachleuten, die sich auf Einladung der Grünen in einem Bundestagssitzungssaal versammelt haben, um über den Veteranenbegriff zu debattieren. Altgediente, Einsatzrückkehrer, Zurückgekehrte lauten einige Bezeichnungen, die im Verlauf des Nachmittags Verwendung finden; keine davon erfährt allgemeine Billigung.

Die Soziologin Anja Seiffert, die einst Mitarbeiterin in der Bundestagsfraktion der Grünen war und jetzt am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr forscht, tröstete Koenigs mit der aus Umfragen gewonnenen Erkenntnis, auch die meisten Deutschen hätten ?ein Unbehagen? wegen der Assoziationen, die der Begriff Veteran wecke.

Auslandserfahrung verschafft Chancen
Im vergangenen Herbst hatte de Maizière verkündet, angesichts des Wandels der Bundeswehr hin zu einer Freiwilligen- und Einsatzarmee sei es an der Zeit, ?sachlich und offen über eine Veteranenpolitik zu diskutieren?. Es gehe darum, die ?gesellschaftliche Würdigung der Soldaten durch politische Maßnahmen zu befördern?. Ausgerechnet den Grünen war das Anlass genug, ein ?Fachgespräch? zu organisieren. Als erste Partei gingen sie diese Woche in einer Art öffentlicher Anhörung der Frage nach, ob eine ?Veteranenpolitik? notwendig sei und woraus sie zu bestehen habe - ohne dabei über ihre pazifistischen Wurzeln zu stolpern.

Allerdings fassten sie die Frage weit. Ausdrücklich wurden ?zivile Veteranen? eingeschlossen, also heimkehrende Entwicklungshelfer oder Friedensdienstleistende. Auch die vielen Polizeiausbilder wurden nicht vergessen, die seit Jahren und Jahrzehnten im deutschen Auftrag Einsätze im Ausland ausführen. In diesem Sinne hätte sich Tom Koenigs mit Fug und Recht selbst in einer Veteranenrolle heimisch fühlen können, schließlich tat er im Auftrag der Vereinten Nationen im Kosovo, in Guatemala und in Afghanistan Dienst.

Doch weder Koenigs noch Wolfgang Schmitt, der zu den Grünen gehörende frühere Geschäftsführer der deutschen Entwicklungshilfezentrale GTZ (inzwischen GIZ), sahen darin einen Sinn. Es gebe ?keine explizite Nachfrage nach materiellen oder symbolischen Anerkennungshandlungen des Staates für die zivile Entwicklungshilfe?, stellte Schmitt fest, im Gegenteil: Wer sich nach seiner Rückkehr im Inland nach neuen Tätigkeiten umsehen müsse, dem verschafften seine Auslandserfahrungen meist bessere Chancen.

Materielle Fürsorge statt Wertschätzung
Winfried Nachtwei, früherer verteidigungspolitischer Sprecher der Grünen, plädierte hingegen dafür, einmal jährlich einen ?bunten Veteranen/Rückkehrer-Tag? zu feiern, am besten am 29. Mai. An diesem Datum begehen die Vereinten Nationen einen ?Internationalen Tag der UN-Peacekeeper?. Während Nachtwei (wie de Maizière) mit solchen Anerkennungsgesten nicht nur die Einsatzkräfte selbst würdigen, sondern die Aufmerksamkeit des deutschen Publikums für die Krisen der Welt steigern möchte, geht es den (militärischen) Veteranen aber eher darum, über diese Kategorisierung materielle Ansprüche geltend zu machen.

De Maizière hatte als Definitionsvorschlag für den künftigen Veteranenstatus ausgegeben, jeder Soldat, der in seiner aktiven Dienstzeit an einem Auslandseinsatz der Bundeswehr teilgenommen habe, gehöre dazu. Dieser Eingrenzung folgt auch der ?Bund deutscher Veteranen?, der seit zweieinhalb Jahren besteht und für sich in Anspruch nimmt, die Interessen der Einsatzsoldaten zu vertreten. Dem Vorsitzenden des Bundes, Andreas Timmermann-Levanas, ist die emotionale Abwehr gegen den Veteranenbegriff, wie sie Tom Koenigs bei dem Treffen der Grünen ausdrückte, wohl vertraut. Zur Abgrenzung von den Weltkriegsheimkehrern beschreibt er seine Klientel als ?junge Veteranen?.

Er hält andererseits auch nichts davon, dass der Veteranenstatus zivile Rückkehrer einschließen sollte; der Begriff dürfe ?nicht verwässert? werden. Und er hat klare Vorstellungen vom Inhalt einer künftigen Veteranenpolitik: Es gehe nicht so sehr um symbolische Wertschätzung, sondern schon um materielle Fürsorge. Timmermann-Lewanas berichtet von einem Veteranentreffen im Kanzleramt, das Anerkennung zeigen sollte, aber eher bittere Reaktionen erzeugt habe, weil die gleichfalls geladenen Familienmitglieder ihre Reisekosten nach Berlin aus eigener Tasche hätten zahlen müssen.

Nicht jeder Veteran hat ?Seelentreffer? erlitten
Die Militärsoziologin Seiffert berichtete, in der Bundeswehr hätten Tapferkeitsauszeichnungen oder Einsatzmedaillen für viele Soldaten eine geringere Bedeutung als in den Streitkräften anderer Nationen, die Anerkennung ihres Tuns durch die Gesellschaft sei ihnen aber schon sehr wichtig. Timmermann-Lewanas berichtet, in den Blick der Öffentlichkeit seien Veteranen in Deutschland überhaupt erst durch die vielen Berichte über posttraumatische Störungen der Einsatzsoldaten geraten. Das habe gleich wieder ein schiefes Bild erzeugt: Nicht jeder, der aus Afghanistan oder aus anderen Einsatzgebieten zurückkehre, habe ?einen Seelentreffer? erlitten.

Der Veteranenbund hat inzwischen eine ganze Liste an Wünschen parat, in deren Erfüllung sich die Anerkennung der Gesellschaft spiegeln würde: die Berufung eines eigenen Veteranenbeauftragten durch den Deutschen Bundestag, die Gründung einer Veteranenfürsorgestelle, die Ausgabe eines Veteranenausweises, der dann womöglich auch Vorteile im Alltag (Ermäßigungen im Nahverkehr oder bei Eintrittspreisen) brächte.

In der Veteranenfachrunde, die die grünen Verteidigungspolitiker Omid Nouripour und Agnieska Brugger zusammengebeten hatten, saß der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Oberst Ulrich Kirsch, als einziger Uniformträger. Kirsch, dessen Organisation alle Bundeswehrsoldaten repräsentieren will, machte keinen Hehl daraus, dass er den Veteranenbegriff de Maizières für zu eng bemessen hält.

Auch der Bundeswehrsoldat, der 1968 während der Niederschlagung des Prager Frühlings in Alarmbereitschaft versetzt worden sei, habe damals eine Art Einsatzerlebnis gehabt, argumentiert Kirsch. Den Soldaten möchte auch Kirsch gerne mehr gesellschaftliche Anerkennung verschaffen. Der Begriff des Veteranen, sagt er, sei dafür aber kein sehr glückliches Mittel.



Quelle: FAZ-online 221. Feb 2013

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HG_Kramperth
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  Erstellt am 21. Februar 2013 13:56 (#2)  |  Bearbeiten Bearbeiten  Zitat Zitat   PN PN   E-Mail E-Mail   HP HP    Löschen
So eine Dikussion ist mal wieder typisch... :-/ :grrr: :x:

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